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Na gut: Sowohl Mineralöl als auch Aloe Vera sind Naturprodukte. Ansonsten haben sie aber ziemlich wenig miteinander zu tun. Ein Schluck aus dem Fass wird aber sicher ganz andere Effekte haben als ein Drink aus dem Saft der Pflanze aus der Familie der Affodillgewächse... Ähnlich unterschiedlich waren auch die Lebenssituationen von Friedhelm Rücker (57) und Rex Maughan. Als der gebürtige Bermoller den Amerikaner traf, war er gerade ranghoher Mitarbeiter eines Mineralölkonzerns. Während der andere schon sein eigenes, 1978 gegründetes, Firmenimperium hatte: Forever Living Products, kurz FLP.
Die Produkte aus Aloe Vera und Bienenhonig waren in Amerika und andernorts schon Mega-Seller. Allein das Charisma Maughans, würde Friedhelm Rücker später viele Male zu Protokoll geben, bewegte ihn zur beruflichen Veränderung. Da wusste der klassische Vertriebler mit dem Begriff „Aloe Vera“ noch gar nichts anzufangen. Aber er wagte den Wechsel – und gelangte damit bald an die Spitze. Eine Erfolgsgeschichte begann.
Aber zurück zu den Wurzeln. Im April 1950 im idyllischen 120-Seelen-Örtchen Bermoll, einem Stadtteil des bei Wetzlar gelegenen Aßlar, zur Welt gekommen, geht Klein Friedhelm zunächst in die dörfliche Zwergenschule. Mit 20 Schülern von der ersten bis zur vierten Klasse. „Das kann also nicht so falsch gewesen sein“, urteilt er im Gespräch mit „Netcoo“ über diese Form der Beschulung und mit Blick auf seinen folgenden Aufstieg. Der Ausbildung zum Industriekaufmann hängt er auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium zum Volks- und Betriebswirt an. Danach wechselt er direkt zur BP nach Hamburg: „Eine schöne Zeit.“
In seiner späteren Position als Direktor „Tankstellen und Versorgung“ bei der Düsseldorfer „Total“ kommt dann die Stunde der Wahrheit: Friedhelm Rücker lernt FLP-Gründer Maughan kennen. Über ihn könnte er viel sagen. Oder es knapp machen: „Ein Menschenfischer. Das kann man nicht lernen – das hat man.“
Maughan nimmt auch Friedhelm Rücker für sich ein. Der wird 1995 General Manager der Forever Living Deutschland GmbH. Er startet mit anfangs überschaubaren 200.000 Mark Jahresumsatz, hängt aber eine Null nach der anderen ans Ergebnis. Indem er auf schlanke Strukturen achtet, Geld am liebsten für die Qualifikation seiner Mitarbeiter ausgibt und weil er an professionelle Beratung glaubt, steigert er den Umsatz mehr und mehr. Er überzeugt seine Leute davon gut sein zu wollen, beharrlich und seriös zu arbeiten. In den ersten Jahren gilt seine Weisung, eben nicht mit Mammon zu motivieren, weil Geld nicht die einzige Motivation sein dürfe. Bodenhaftung prägt Rückers Geschäftsphilosophie.
Sein Erfolg – und der seiner Mitarbeiter – ist für ihn später beim Rückblick auf seine einzigartige Laufbahn kein Zufall. FLP bringe die für ihn drei wichtigsten Bausteine eines Direktvertriebsunternehmens mit: ein glaubwürdiges Produkt „das dem Kunden auf Dauer Nutzen bringt“. Dann, so sagte er in einem Interview, zähle für ihn ein „echtes Kundendienstverhalten“. Die Kunden würden direkt betreut, sie bekommen Antworten auf ihre Fragen und werden professionell beraten. Das habe er immer als den großen Vorteil des Direktmarketings gesehen. Man erfahre unmittelbares Echo vom Abnehmer, man wisse schnell worauf er positiv reagiert, aber auch, was man selbst besser machen könne. Und schließlich müsse ein solides Unternehmen hinter alledem stehen, das pünktlich und verlässlich zahle.
Zehn Jahre lang sollte die Erfolgsstory Rücker dauern. Sein Markt Deutschland/Österreich verdrängt England bald von Platz eins in Europa, bringt es auf Platz zwei von allen damals 90 FLP-Ländern.
Und dann, im Jahr 2005? „Nach zehn Jahren hab´ ich gesagt: ,Jetzt reicht´s!’ Sie machen so einen Job 24 Stunden am Tag. Es war einfach Zeit, andere auf die Bühne steigen zu lassen.“ Nach wie vor ist er für FLP tätig, als „ganz einfacher Berater“ wie er sagt, als jemand der andere berate.
Seine Freizeit gehört unter anderem dem „Tennisclub ´77 Greifenstein“. Dessen Präsident ist er seit 25 Jahren. Und er sei es noch, weil es schwierig sei im ehrenamtlichen Bereich jemanden zu bekommen. Aber hier, wie auch über seine intensive Zeit bei FLP, sagt der Mann mit der angenehm dunklen Stimme ohne Zögern: „Ich bereue es keine Sekunde.“
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 02-08 erschienen.
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