Die unabhängig arbeitende US-Bundesbehörde Federal Trade Commission (FTC) http://www.ftc.gov hat Lebensmittel- und Getränkehersteller dazu aufgefordert, sich stärker für die Selbstkontrolle ihrer Werbung einzusetzen. Wenn sie sich nicht freiwillig dazu bewegen ließen, sehe sich die Behörde dazu gezwungen, die Regierung einschreiten zu lassen, berichtet das Wall Street Journal. Hintergrund der Beschwerde ist eine aktuelle Untersuchung der FTC, die das Marketing von Lebensmittel- und Getränkeprodukten bei Kindern im Alter zwischen zwei und 17 Jahren analysiert hat. Diese kam zu dem ernüchternden Ergebnis, dass Unternehmen aus den genannten Branchen im Jahr 2006 insgesamt rund 1,6 Mrd. Dollar für Werbemaßnahmen ausgegeben haben, die auf Kinder abzielten. Davon gaben allein die Getränkekonzerne an die 474 Mio. Dollar für die Vermarktung von zucker- und kohlensäurehaltigen Produkten bei zwölf- bis 17-Jährigen aus. In Anbetracht des bedenklichen Anstiegs der Fettleibigkeitsrate unter Kindern sei eine derartige Marketingpraxis unverantwortlich, heißt es in dem FTC-Bericht.
"Die Mehrheit der großen Lebensmittelhersteller hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht, was die Entwicklung von gesünderen Produkten und die Bewerbung einer ausgeglicheneren Ernährungsweise betrifft", stellt die FTC fest. Dennoch habe die Industrie in dieser Hinsicht noch einen langen Weg vor sich. Da die Unternehmen aus der Lebensmittel- und Getränkebranche zu den größten Werbekunden zählen, die auch Kinder als Zielgruppen ansprechen wollen, müssten sie sich mit besonders strikten Überprüfungen abfinden. "Die Marketingpraxis in diesem Bereich löst bei mir einen stechenden Schmerz in der Magengegend aus", erklärt FTC-Kommissar Jon Leibowitz. Wenn sich die betroffenen Konzerne nicht selbst strengere Kontrollen auferlegen würden, werde ein direktes eingreifen des Gesetzgebers unumgänglich.
"Aktuelle Zahlen aus der KiGGS-Studie belegen, dass Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen auch in Deutschland zunehmend zu einem Problem wird. Demnach waren im Jahr 2006 rund 15 Prozent der deutschen Drei- bis 17-Jährigen übergewichtig beziehungsweise adipös", betont Corinna Willhöft vom Max Rubner-Institut (Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel) http://www.mri.bund.de in Karlsruhe, im Gespräch mit pressetext. Der Vergleich mit entsprechenden Zahlen aus den 80er- und 90er-Jahren lasse in dieser Hinsicht einen deutlichen Anstieg erkennen. "Die Entwicklungstendenz ist eindeutig. Die Zahl der betroffenen Kinder hat sich in den vergangenen zehn bis 20 Jahren fast verdoppelt", ergänzt Willhöft. Auch für die Zukunft befürchtet die Ernährungsexpertin eine weitere Verschlechterung der Situation.
Was das Thema Werbung betrifft, hätte es in den vergangenen Jahren immer wieder kontroverse Diskussionen im Zusammenhang mit Fettleibigkeit bei Kindern gegeben. "Ein entsprechendes Werbeverbot, das die Vermarktung von süßen und stark fetthaltigen Produkten an Kinder und Jugendliche untersagt, gibt es in Deutschland nicht. Man setzt in diesem Zusammenhang auf die freiwillige Selbstkontrolle der Wirtschaft", meint Willhöft.
Die Dramatik dieser Entwicklung sei aber nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande mittlerweile erkannt worden. "In Deutschland gibt es mit 'IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung' seit kurzem einen eigenen nationalen Aktionsplan für Ernährung und Bewegung, mit dem man sich auch dem Problem des Übergewichts und der Fettleibigkeit annehmen will", schildert Willhöft. Ziel der Initiative sei es, bis zum Jahr 2020 unter anderem die Voraussetzungen zu schaffen, sich gesünder zu ernähren und mehr bewegen zu können und somit die Übergewichtsrate signifikant zu reduzieren. "Die Bundesregierung fördert im Zuge des Aktionsplans zum Beispiel modellhaft Präventionsprojekte, in deren Rahmen rund 500 Maßnahmen zur Vorbeugung von Übergewicht und Fettleibigkeit erprobt werden", so Willhöft abschließend. Nähere Informationen zu der Initiative finden Interessierte unter http://www.besseressenmehrbewegen.de.
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