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Schlagfertigkeit ist lernbar! E-Mail
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Geschrieben von Matthias Pöhm   
06.09.2007 | 10:46 Uhr

Mathias PöhmStellen Sie sich folgende Szene vor: Eine Abendgesellschaft, angeregte Konversation. Mit einem Gast sind Sie allerdings nicht auf derselben Wellenlänge. Und irgendwann wirft der Ihnen schließlich ins Gesicht: "Wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich Ihnen Gift geben!" Wie würden Sie auf diese Beleidigung effektiv und mit Stil reagieren? Besäßen Sie die Schlagfertigkeit von Winston Churchill, der seinerzeit elegant konterte: "Wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, Madam, würde ich das Gift nehmen!“


Hand aufs Herz - den meisten von uns fällt im Notfall meist keine Retourkutsche ein, und falls doch, dann wahrscheinlich den entscheidenden Tick zu spät. Ein wirklich mieses Gefühl. Schlagfertigkeit ist eine Kunst, die den, der sie beherrscht, mit Esprit schmückt, alle anderen aber als arme Würstchen erscheinen lässt, die verbaler Aggression hilflos ausgeliefert sind. Das letzte Wort gilt!


Doch verzweifeln Sie nicht: Schlagfertigkeit ist lernbar!


Mit der Schlagfertigkeit ist es wie mit der Grammatik. Wenn Menschen sich in Ihrer Muttersprache unterhalten, so überlegt niemand, ob oder welche Grammatikregel dahinter steht. Aber es gibt sie und die Regeln sind wichtig für alle, die eine Fremdsprache lernen. Dasselbe gilt für die Schlagfertigkeit. Thomas Gottschalk und Harald Schmidt denken nicht über Schlagfertigkeitsregeln nach. Die Regeln sind für all jene gedacht, die manchmal in Alltagssituationen sprachlos sind!


Witzig kontern


Die Schlagfertigkeits-Technik "maßloses Übertreiben" ist eine hervorragende, universelle Technik die sowohl eine passende Erwiderung auf jegliche Art von Angriffen erlaubt, als auch gestattet, spontan humorige Bemerkungen zu machen.


Die Technik ist ganz einfach. Sie hören einen Vorwurf, aber statt etwas dagegen zu sagen, sagen Sie einfach "Stimmt" und übertreiben danach derart maßlos, dass der Vorwurf im Witz zerplatzt.

• Sie haben unsere Kunden falsch beraten. –
Ja genau, jetzt benutzt er den Staubsauger als Haarföhn.

• Haben Sie schon mal einen Rechtschreibkurs besucht?
Nein, ich übe gerade lesen.



Die Übertreibung lebt davon, dass Sie den Regler nicht nur an den Anschlag schieben, sondern weit darüber hinaus.


Unerwartetes Zustimmen



Die inzwischen verstorbene Lilli Palmer hatte in einer Buchhandlung eine Lesung gehalten und danach Bücher signiert. Eine lange Schlange von Menschen stand in einer Reihe, um von ihr das Buch signieren zu lassen. Plötzlich trat eine Dame aus der Reihe und sagt zu Lilli Palmer: "Sie sehen aber noch gut aus – schon geliftet?" Die Buchhändlerin wollte sterben vor Peinlichkeit. Lilli Palmer antwortet: "Gut geworden – oder?"


Man kann Sie nur dann angreifen, wenn Sie die Wertordnung des anderen annehmen. Wenn Sie etwas als verwerflich akzeptieren, was er Ihnen als verwerflich vorgibt. In dem Moment, wo Sie voll und ganz dazu stehen, läuft der Angreifer gegen eine Wand.
Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein: Erstens der Vorwurf muss inhaltlich stimmen und zweitens darf keine Wertung im Vorwurf sein.


• Sie haben einen Fleck auf der Hose.
Gut beobachtet, können Sie hinten auch mal schauen.

• Bist du heute wieder mal schlecht gelaunt?
Na klar, merkt man das nicht?“
Keine weitere Erklärung und keine Rechtfertigung. Das ist das Wichtige!


Offensichtlich ins Gegenteil verkehren


Thomas Gottschalk hatte in einer seiner „Wetten daß"-Sendungen eine 80jährige Autofahrerin zu Gast, die eine der ersten Führerscheinbesitzerinnen in den 20er Jahren gewesen war. Er fragte sie, welcher Unterschied zwischen den Autos von damals und den heutigen Autos sei. Sie gab zur Antwort: „Heutzutage sind die Motoren alle verkapselt, man kann nichts mehr reparieren und wechselt nur noch den ganzen Motor aus."


Jeder, der etwas von Autos versteht, weiß natürlich, die Dame erzählte Unsinn. Gottschalk antwortete: „Aha, sie kennt sich aus."


Damit auch Ihnen solche schlagfertige Bemerkungen gelingen machen Sie folgendes:


Sie nehmen das Offensichtliche, verkehren es ins Gegenteil und übersteigern es karikaturenhaft. Offensichtlich war, dass die Lady von den heutigen Motoren keine Ahnung mehr hatte. Gottschalk nahm diese Tatsache, drehte sie ins Gegenteil, übertrieb und sagte: „Aha, sie kennt sich aus."


• Ein Mann schwankt Ihnen sturzbetrunken entgegen.
Schade, dass er nie was trinkt



Wenn es einem Menschen gelingt sich in einer Verhandlung, Meeting oder Diskussion souverän zu verkaufen, dann empfinden wir diesen Menschen ebenfalls als schlagfertig. Dies ist eine subtilere, strategischere Art der Schlagfertigkeit. Vor allem im Geschäftsleben ist diese Art der Schlagfertigkeit wichtig.


„Wäre Ihnen... lieber "


Sie gehen bestens vorbereitet zu einem Kundengespräch, argumentieren souverän und haben alle Antworten parat. Da wirft Ihnen der Kunde vor, „Sie wurden rhetorisch bestens geschult und haben alle Zahlen parat, damit Sie mir besser das Geld aus der Tasche ziehen können.“


Kommen Sie nicht in Versuchung sich zu rechtfertigen und Ihre ehrenhaften Ziele zu nennen, fragen Sie stattdessen:


Wäre es Ihnen lieber, ich würde hier stammelnd vor Ihnen sitzen und bei jeder Ihrer Frage anfangen nervös in meinen Unterlagen zu kruschteln, weil ich die Antwort nicht kenne?


Dies ist eine Form der Rückfrage, der ein ganz bestimmtes Prinzip zu Grunde liegt. Sie verkehren den Vorwurf ins Gegenteil und verzerren das Gegenteil nun so, dass es hässlich wird. Jetzt fragen Sie nach, ob dem anderen lieber wäre, wenn Sie wie die hässliche Variante sein würden.


• Ihr Produkt ist ganz schön teuer?
Wäre Ihnen lieber, wir wären ein billiger Ramschladen mit schlechter Qualität?


Die Methode „Wäre Ihnen... lieber?“ bringt den Angreifer nicht nur zum Schweigen, sondern kann ihn auch auf einer tiefen Ebene von Ihrem Argument überzeugen.



Kategorisch zurückweisen


Was auch immer der andere uns vorwirft, wir hören es an und schicken inhaltlich das Gegenteil des Vorwurfs als Aussage zurück. Vorwurf pauschal bewerten - Gegenteil behaupten. Das ist der ganze Trick. Der stabile Blickkontakt ist dabei absolut wichtig. Wenn Sie dabei den Namen des Angreifers am Ende noch mal genüsslich betonen, wird’s besonders wirksam


• Das ist ein völliger undurchdachter Käse, was sie da vortragen.
Sie täuschen sich, das ist ein absolut durchdachter Vorschlag, Frau Meyer.


Gehen Sie dabei in zwei Einheiten vor. Zunächst bewerten Sie den Angriff. In diesem Fall: "Sie täuschen sich". Und dann drehen Sie den Vorwurf, "undurchdachter Käse", um ins Gegenteil - und schicken ihn als Aussage zurück. "Das ist ein absolut durchdachter Vorschlag"


Eins ist bei dieser Art des Reagierens noch wichtig: Sie dürfen dabei keine so genannten "Weichmacher" benutzen. "Aber Herr Kollege, ich finde, dass mein Vorschlag eigentlich doch durchdacht ist. Das ist eine, um ein vielfaches schwächere Erwiderung. Die Außenwirkung sinkt komplett ein. Warum?
Weil viele Weichmacher drin sind: ich finde, eigentlich, doch. Das alles entwertet Stück um Stück Ihre Aussage. Sie müssen, wie mit einem Beilhieb, die Antwort stichfest formulieren und glasklar richtig stellen.



Schlagfertigkeit hat auch mit der Wirkung nach Außen zu tun. Es gibt keine objektive Messlatte, die einer Antwort einen schlagfertigen Gehalt zuweist. Wichtig ist, wie die Antwort auf die Umgebenden wirkt.
Damit Ihre Antwort souverän wirkt sprechen Sie laut, halten Sie sich aufrecht, schauen Sie Ihr Gegenüber intensiv an und ziehen Sie den Blick nach der Antwort weg.


Ein Artikel aus der Ausgabe 04-06.

 

Kommentare (1)add comment

Sebastian sagt: Der Top-Trainer!

  Matthias Pöhm ist der absolute Top-Trainer.
Seine Bücher und Tips sind absolut lesenswert.
Pfiffig geschrieben und leicht umsetzbar.
Wer Pöhm nicht kennt, hat das Leben verpennt.
Aufwachen, Schlafmütze!
29 September 2008 | 23:54 Uhr | Website des Autors anzeigen



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“Nicht das, was ich erreicht habe, interessiert mich, sondern das, was noch vor mir liegt.”
Karl Lagerfeld (*1938), dt. Modeschöpfer
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