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Interview mit Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan! E-Mail
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Veröffentlicht von Netcoo Redaktion   
13.08.2010 | 16:58 Uhr

Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan„Frauen müssen eigene Netzwerke bilden, um beruflich voran zu kommen und erfolgreich zu sein.“ Das meint Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan. Sie wünscht sich mehr Frauen als Unternehmerinnen – und wirbt deshalb für den 5. Niedersächsischen Kongress für Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen, der „ermutigt und motiviert“. Interview mit der Ministerin die einmal Managerin war.

Das Potenzial von Frauen als Unternehmerinnen gilt noch als unerschöpft. Wie lässt es sich Ihrer Ansicht nach ausbauen?

Özkan: Für unsere gesellschaftliche Entwicklung sind mehr Unternehmerinnen unverzichtbar. Mir ist es wichtig, die Beteiligung von Frauen am Unternehmertum zu erhöhen. Ich freue mich, dass wir in Niedersachsen bereits hervorragende Beratungseinrichtungen und Projekte haben, die sich konkret an den Lebensbedingungen, Lebensentwürfen und den Berufsplanungen von Frauen orientieren.

Beispielhaft zu nennen sind die auf Gründerinnen und Jungunternehmerinnen zugeschnittenen Angebote von Gründerinnen-Consult Hannover und die Existenzgründungsagentur für Frauen (EFA) in Oldenburg. Die Förderungen erfolgen aus dem Programm FIFA (Förderung der Integration von Frauen auf dem Arbeitsmarkt) aus meinem Haus. Auch die 20 niedersächsischen Koordinierungsstellen Frauen und Wirtschaft, die ebenfalls vom Sozialministerium gefördert werden, informieren im Zusammenwirken mit den spezifischen Beratungseinrichtungen Berufsrückkehrerinnen, die sich selbstständig machen wollen.

Welche besonderen Eigenschaften muss frau mitbringen, um sich als Unternehmerin zu behaupten?

Özkan: Eigenschaften wie Selbstvertrauen und Durchsetzungsbereitschaft brauchen selbständig erfolgreiche Frauen genau so wie Männer. Überraschen mag vielleicht, dass sich Frauen und Männer grundsätzlich in ihren Unternehmerpersönlichkeiten ähneln. Unterschiede gibt es aber auch, beispielsweise bei der Risikobereitschaft. Frauen agieren eher vorsichtiger, was nicht per se als Nachteil zu deuten ist.

Sind Frauen die besseren Chefs?

Özkan: Männer können gute oder schlechte Chefs sein, Frauen gute oder schlechte Chefinnen. Allerdings belegen Untersuchungen, dass Frauen als Chefinnen einen anderen Stil pflegen – auch aufgrund anderer biografischer Erfahrungen. Bei den auch in der Unternehmensführung immer wichtiger werdenden sogenannten „soft skills“ sind Frauen in der Regel den Männern überlegen. Chefinnen schaffen damit ein kommunikatives, innovatives, Motivation erhöhendes und damit ein Ergebnis förderndes Klima.

Sie halten Netzwerke für Frauen für besonders wichtig. Warum?

Özkan: Zielgerichtetes Netzwerken ist unheimlich wichtig für beruflichen Erfolg. In ihnen fließen die wesentlichen Informationen, es entsteht private und berufliche Unterstützung und Zusammenarbeit. Mit anderen Worten: man kennt sich, man hilft sich, man nützt sich. Erfolgreiche Männer profitieren schon seit langem davon und ebnen sich damit einen Weg zur Karriere. Netzwerkstrukturen von Männern sind nicht einfach auf Frauen übertragbar. Sie müssen daher ihre eigenen Netzwerke bilden, um beruflich voran zu kommen und erfolgreich zu sein.

Ein Problem auch für Frauen als Chefs ist wie immer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie haben deswegen ein Programm namens Fifa (zur Förderung der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt) mit Landesmitteln und EU-Fördergeldern gestartet. Bringt es Erfolge?

Özkan: Das Programm FIFA ermöglicht Projekte in nahezu allen Bereichen, in denen Unterstützung für Frauen am Arbeitsmarkt notwendig ist. Das gilt für Erwerb suchende Frauen genauso wie für beschäftigte Frauen, für spezifische Zielgruppen von Frauen wie z.B. Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende, Berufsrückkehrende genauso wie für Migrantinnen und alle Frauen, die Unternehmen gründen wollen. Ein Programmschwerpunkt ist natürlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei geht es um die Veränderung von Unter-nehmensorganisation und Unternehmenskultur. Die Wirtschaft muss ihren Teil dazu beitragen, dass ihre Beschäftigten Zeit für Familienaufgaben erhalten. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten oder Betreuungsangebote. Damit lassen sich vor allem die qualifizierten Frauen gewinnen und im Betrieb halten. Deshalb unterstützen uns auch die Wirtschaftsverbände in Niedersachsen. Immer mehr Unternehmen nehmen an diesen Projekten teil.

Zwei Landesministerien, darunter auch Ihres, und die Stadt laden am 25. September zum Niedersächsischen Kongress für Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen ein. Was bringt das?

Özkan: Der Kongress bietet vor allem Chancen: Unternehmerinnen und solche, die es werden wollen, können sich fortbilden, sich vernetzen, sich präsentieren, von Vorbildern lernen. Er ermutigt und motiviert Frauen, sich selbstständig zu machen und selbst-ständig zu bleiben. Nicht zuletzt bringt der Kongress den ein-drucksvollen Beweis, wie lebendig und weiblich Unternehmertum in Niedersachsen bereits ist.

Bevor Sie Ministerin wurden, waren Sie selbst Managerin. Können Sie sich mit der Erfahrung von damals und dem Wissen von heute vorstellen, Unternehmerin zu sein?

Özkan: Ich freue mich darüber, dass ich als Ministerin aktiv daran mitwirken kann, den Weg für Frauen in die berufliche Selbständigkeit mit zu gestalten. Frauen, die sich dafür entscheiden, gebührt mein Respekt. Es ist immer gut zu wissen, wie vielfältig die Unterstützungen für potentielle Unternehmerinnen in Niedersachsen sind.

Welches Unternehmen zu führen würde Sie reizen?

Özkan: Meine ganze Kraft gilt dem Anliegen, die Sozial- und Integrationspolitik in Niedersachsen zu stärken und voranzubringen.

Bild: Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan
Interview hannoverimpuls GmbH

Mehr Informationen: Der 5. Niedersächsische Kongress für Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen, zu dem die niedersächsischen Ministerien für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration sowie für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und die Landeshauptstadt Hannover einladen, findet am Samstag, 25. September, von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Novotel, Podbielskistraße 21/23 in Hannover statt. Organisiert wird der Kongress von Gründerinnen-Consult Hannover, hannoverimpuls GmbH. Die Teilnahmegebühr beträgt einschließlich Mittagessen und Tagungsgetränken 50,00 Euro. Bei Bedarf ist Kinderbetreuung inklusive. Anmeldungen nimmt Gründerinnen-Consult Hannover, Hohe Straße 11, 30449 Hannover bis zum 15. September unter der Telefonnummer 05 11 / 92 40 01 20 oder auf der Internetseite
www.unternehmerinnenkongress2010.de entgegen. Hier gibt es auch weitere Informationen und das ausführliche Programm.



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